Die Kirche St. Martin strahlte zum Ostergottesdienst in hellem Glanz
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Der Kirchenchor St. Martin hatte unter Leitung von Lucia Moser die „Missa brevis in A“ des 1936 geborenen Colin Mawby zu Gehör gebracht. Er gilt als einer der berühmtesten zeitgenössischen englischen Komponisten sakraler Musik. Jonas Ebner hatte wieder einmal sein ganzes Können und die neuen Möglichkeiten der überarbeiteten Mönch-Orgel gezeigt. -prm-
Die Innenrenovation der Kirche St. Martin hat Fahrt aufgenommen
Erinnerungen an den Schreckenstag vor 26 Jahren
Es hätte an diesem Sonntag, dem 31. Januar 1993, ein großer Festtag werden sollen. Der Kirchenchor St. Martin wollte sein 100jähriges Bestehen mit einer Orchestermesse würdig feiern. Doch daraus wurde ein Tag des Schreckens. Die Kirche wurde am frühen Morgen total verrußt angetroffen, Folge einer Verpuffung im Heizraum. Eine grundlegende Sanierung, auch der Orgel, der Altäre und der Kunstgegenstände war die unweigerliche Folge. Gut 20 Jahre später hielt der damalige noch selbständige Pfarrgemeinderat eine erneute Innenrenovation für notwendig. Die Wände waren durch die Warmluftheizung verrußt, auch die Orgel zeigte immer mehr Mängel.
Der Kirchenraum erhält einen neuen Anstrich. Altäre und Altarbilder, Kreuzweg, die beiden Kreuze und Statuen werden von Restaurator Johannes Berger, Bad Krozingen, gereinigt und ausgebessert. Der riesige schwere Kronleuchter in der Mitte der Kirche bleibt während den Bauarbeiten hängen und wird staubdicht eingepackt.
Die Mönch - Orgel wird restauriert und wird mit einem neuen Pedalregister aufgewertet
Einen hohen Stellenwert im Gesamtprojekt hat die Reinigung und Revision der 1935 erstellten und 1974 weiterentwickelten Mönch-Orgel. Verschleißspuren sind auch nach einem Gutachten des zuständigen Orgelinspektors Professor Marx seit längerem unüberhörbar und unübersehbar. Die 1.434 Orgelpfeifen sind unter Mithilfe von Ehrenamtlichen schon ausgebaut, die 275 großen aus Holz und Metall in einer benachbarten Scheune gelagert. Die neuen Vorschriften für Personen- und Brandschutz verlangen eine Erneuerung der elektrischen Anlage der Orgel. Das Instrument wird gleichzeitig mit einem neuen Pedalregister mit 30 neuen Pfeifen (Trompetenbaß 8) aufgewertet. Hierzu hat der frühere Pfarrer Wolfgang Auer schon die finanziellen Grundlagen gelegt.
Neue Lautsprecheranlage und neue Liedanzeige
Die Kirchenbesucher können sich auch auf eine neue Lautsprecheranlage und eine neue Liedanzeige nach dem neuesten Stand der Technik freuen. Und auch auf eine hellere Kirche durch Deckenstrahler aus LED-Lampen, die zudem Energie sparen.
Mit der Innenrenovation einher gehen die Erneuerung der Glockentechnik und der Klöppel - derzeit läuten nur drei Glocken -sowie Zimmereiarbeiten zur Begehungssicherheit im Glockenturm. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die mit den Aufträgen betrauten heimischen Firmen den vorgegebenen Zeitplan einhalten und an Ostern wieder Gottesdienste in neuem Glanz gefeiert werden können. Bis dahin dient die benachbarte Pfarrscheuer als Kirchenraum. Text und Bilder : Peter Meister
Die Bilder zeigen den eingerüsteten Innenraum mit den verpackten Altären und Architekt Roland Braun vom Ordinariat mit einem Gerüstbauer.
Informationen zum Gebäude und zur Innenausstattung
Politische Geschichte
Luttingen wurde im Rahmen der alemannischen Landnahme, wahrscheinlich im 3. Jh. n. Chr., besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung als „Villa lutinga“ geht auf eine Schenkungsurkunde des Jahres 788 an das Kloster Lorsch zurück. Sicherlich bestand zu dieser Zeit schon eine bescheidene, dem hl. Martin geweihte Holzkirche, denn in der karolingischen Zeit des 8. und 9. Jh. war es sehr gebräuchlich, Martin von Tours (gest. 397 n. Chr.) als Kirchenpatron zu erwählen. Bis 1806 hatte das Haus Habsburg das Patronat über die Pfarrkirche. Luttingen kam danach politisch zum Großherzogtum Baden.
Kirchengebäude
Aufgrund der angewachsenen Gläubigenzahl und des schlechten Bauzustandes des alten Kirchenraumes entstand in den Jahren 1804 – 1806 nach umfangreichen Planungen ein komplett neues Kirchenschiff in der frühklassizistischen Grundform. Der aus Granitsteinen gemauerte spätgotische Turm aus dem 15. Jh. blieb erhalten, wurde aber um die Glockenstube erhöht und mit einem eleganten klassizistischen Pyramidendach versehen. Die Gesamtbauwerkshöhe beträgt 30 m. In die Chorturmanlage wurde der Altarraum eingefügt und nach Osten orientiert.
1933 – 34 erfolgte eine neuerliche Erweiterung des Kirchenraumes, wobei man eine sehr geschickte Umorientierung des Kirchenschiffes um 90° vornahm, indem der Hochaltar nördlich positioniert wurde und die heute nicht mehr vorhandene Orgelempore an der Südwand über dem jetzigen Haupteingang ihren Platz fand.
Eine freitragende Decke mit 17 m Durchmesser überspannt bis heute den Gottesdienstraum. Das aus der Romanik abgeleitete Stuck-Oktogon, mit Ornamenten bemalt, rahmt die Decke ein. Die neun hohen Kirchenfenster stellte 1867 die Kunstglaserei Helmle & Merzweiler, Freiburg, her. Fünf davon haben eine barocke Bildeinfassung und ein Heiligenmedaillon im Zentrum.
Die Außenansicht des Gebäudes wurde 1986 durch eine neue Farbgebung und Betonung der Konturen durch barockrote Lisenen optisch eindrucksvoll aufgewertet. Diese historische Farbgebung ist in einem Protokoll von 1895 nachzulesen. Eine Turmuhr mit Schlagwerk verstärkt seit 1985 die Präsenz des Bauwerkes.
Innenraum und sakrale Gegenstände

Das Innere der Kirche war von 1806 – 1933 komplett ausgemalt. Der renommierte Barock-Perspektivmaler Simon Göser (1735 – 1816) malte 1806 die drei Altarbilder in Öl, ebenso die gesamte Decken- und Wandgestaltung in farbiger Fresko-Technik. Ein restauriertes Fragment ist in der Umrahmung des St. Martin - Hochaltarbildes erhalten. Links und rechts sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus zu sehen. Ein Kunstgriff im oberen Teil ist das Abkippen der Bemalung von der Senkrechten in die Waagrechte, um den Raum optisch zu erhöhen. Alle anderen farbigen Decken- und Wandgestaltungen fielen dem Erweiterungsbau von 1933/34 zum Opfer.
Die Seitenaltar-Bilder aus der Hand Simon Gösers zeigen links „Mariä Verkündigung“, auf dem rechten Gemälde ist die „Taufe Jesu“ zu sehen. Die Umrankungen der Seitenaltarbilder schuf 1994 Johannes Berger, Bad Krozingen. Die holzgeschnitzten Statuen „Maria Immaculata“ und „Josef der Arbeiter“ auf den Seitenaltären entstanden Ende des 20. Jahrhunderts. 
In den Antependien der drei Altäre sind Medaillons in Monochrom-Malerei von Simon Göser eingefügt. Im Hochaltar ist das „Letzte Abendmahl“ zu sehen, die Seitenaltäre zeigen das „Opfer des Melchisedech“ und die „Opferung des Isaak“.

Über dem Eingang zur Sakristei befindet sich ein barockes „Karfreitags-Kreuz“ von 1740. Die beiden holzgeschnitzten Statuen „St. Antonius“ und „St. Josef“, welche die Orgel einrahmen, stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Der zentrale Kronleuchter und das Lüster-Ensemble im „Maria-Theresia-Stil“ wurden 1960 beschafft und sind mit wertvollen geschliffenen Kristallklunkern bestückt. Das wuchtige Kruzifix an der Südwand befand sich bis 1994 inmitten einer Figurengruppe über dem Hauptaltar.
Die 1994 angeschaffte Bestuhlung ermöglicht Umstellungen in Richtung Orgel für kirchenmusikalische Aufführungen. Durch die Flexibilität der Bestuhlung sind Service- und Reparaturarbeiten im Kirchenraum wesentlich leichter zu erledigen.
Zelebrations-Altar
Das komplette Ensemble der zeitgenössischen Chorraumgestaltung mit Zelebrationsaltar, Ambo, Osterleuchter und Sedilien schuf 1999 Josef Henger aus Ravensburg. Die marmorne Altarplatte ruht auf einem kreuzförmigen Mittelteil aus Bronzeguss. Der im romanischen Bischofsornat dargestellte St. Martin zeigt der Gemeinde die Hostie und den Kelch. Der Ambo, ebenfalls aus Bronzeguss erstellt, enthält drei goldene Blätter, die Heiligste Dreifaltigkeit symbolisierend, um deren theologische Festlegung zu Zeiten Martins gerungen wurde. Im Osterleuchter entsprießen aus Totengebeinen und einer Blattmaske frische Zweige als Symbol der Auferstehung.
Glocken
1894 läuteten vier harmonisch abgestimmte Glocken auf dem Luttinger Kirchturm. Aus den Wirren und Munitionsbedürfnissen des ersten und zweiten Weltkrieges herrührend gab es von 1917 – 1956 kein homogenes, volles Geläute mehr. 1956 erfolgte schließlich die Weihe der von der Gießerei Schilling, Heidelberg, geschaffenen neuen Glocken.
Nachstehend die Widmungen und Intonationen der vier Kirchenglocken:
Glocke 1 Heiligste Dreifaltigkeit Schlagton e‘ + 2
Glocke 2 Maria Himmelskönigin Schlagton g‘ + 4
Glocke 3 Heiliger Martinus Schlagton a‘ + 2
Glocke 4 Hl. Josef, Hl. Bruder Klaus Schlagton c‘‘ +4
In der Tonfolge ist das „Te Deum“ und das „Gloria“ – Motiv enthalten.
Orgel

1974 erfolgte eine technische Verbesserung, ebenfalls über die Orgelbauanstalt Mönch, mit Umstellung auf elektro-pneumatische Traktur und Umdisposition auf 21 klingende Register, der Gesamtklang wurde heller und transparenter. Ab jetzt war es möglich, Orgelliteratur verschiedener Stilepochen zu spielen.
1994 erhielt das Instrument seinen Platz ebenerdig an der Kirchen-Nordwand, angrenzend an eine Stufenanlage für den Kirchenchor. In der Folge verbesserte sich die Klangqualität beachtlich.
Stand: 20. Juni 2010 Verfasser: Lothar Rist





