Gedenktag 6. März
(recherchiert und zusammengestellt von Rosemarie Ebner, Hochsal)
Seit Jahrhunderten befindet sich unter dem Mittelaltar der Hochsaler Pfarrkirche St. Pelagius und Oswald in einer engen und niedrigen Gruft ein aus Sandstein herausgemeißelter, schmuckloser Steinsarkophag auf vier Füßen, ebenfalls aus Stein, in den die Gebeine der seligen Mechthild nach zuvor erfolgter Erdbestattung umgebettet wurden.
Was wir über die selige Mechthild wissen
Wir kennen weder ihre Herkunft noch wissen wir etwas über die Zeit und Umstände ihres Lebens. Das Pfarrarchiv mag aus früherer Zeit urkundliche Nachrichten über Mechthild besessen haben, die aber leider verloren gegangen sind. Auffallend ist, dass auch aus dem Archiv des Damenstiftes Säckingen, zu dem die Hochsaler Pfarrkirche damals gehörte, nichts über die selige Mechthild bekannt geworden ist. Erst nach dem 30-jährigen Krieg wurden die damaligen mündlichen Schilderungen über Mechthild zu Papier gebracht.
Mechthild dürfte wohl um 1239 gelebt haben, dem Jahr, in dem Hochsal erstmals erwähnt wird. Vielleicht war Mechthild eine Inclusin (Einsiedlerin), die in einer Zelle oder Klause in der Nähe der Kirche für Gott und den Dienst an ihren Mitmenschen lebte. Man vermutet, dass sich der Platz ihrer Einsiedlerwohnung wohl dort befand, wo gegen Ende des 15. Jahrhunderts der sogenannte Ölberg errichtet wurde. Dieses kunstvolle Heiligtum wäre demnach zum Andenken an die ehemalige Einsiedelei errichtet worden. Aus der Kaplanei-Stiftung des ersten und bekannten Pfarrers Jacob de Lapide (1336), der Kanoniker in Säckingen war, geht hervor, dass sich schon über 100 Jahre vor der Errichtung des Ölbergs an dieser Stelle ein Gebäude mit einem Altar befand.
Aus dem Jahre 1669 stammt das von Pfarrer Mathias Stark schon früher wiederholt vorgelegte Bittgesuch um Erlaubnis zur Eröffnung des Grabes. Jedoch erst 1674 erhielt sein Nachfolger, Pfarrer Leodegar Beutler (von 1673 bis 1679), von den Kirchenbehörden in Konstanz die Erlaubnis zur Öffnung des Sarkophags. Der im Hochsaler Pfarrarchiv vorhandene Bericht schildert uns, dass sich der Körper einer von Natur aus nicht großen Frauensperson mit übereinander-gelegten Händen zeigte … Kleider und Tücher, in die der Körper einst eingewickelt war, waren zu Staub geworden … Nach einer Bemerkung im Pfarrarchiv sind documenta, hoc belicoso tempore ammissa (d. h.: Aufzeichnungen über das Grab sind in dieser kriegerischen Zeit verloren gegangen). Am Sarkophag selbst fanden sich keinerlei eingemeißelte Zeichen oder Buchstaben.
Im Jahr 1935 wurde anlässlich der Einrichtung einer Warmluftheizung in der Kirche der wahrscheinlich durch marodierende französische Truppen unter Moreau (1796) stark beschädigte Sarg erneut geöffnet. Neben Pfarrer Josef Amann waren bei der Eröffnung als Zeugen das Stiftungsratsmitglied August Werne, Kaufmann und Landwirt aus Hochsal, Bürgermeister Ludwig Schmid sowie zwei Lehrer zugegen. Es fanden sich die Gebeine einer Frau, wobei eine Reihe von Knochen fehlten. Außerdem lagen verschiedene Gegenstände bei den Reliquien: eine badische Scheidemünze, 2 Kreuzer von 1859, ein tiefer Teller und eine große zerbrochene Schüssel mit Malereien von gleichem Muster. Bevor der Sarkophag erneut verschlossen wurde, besserte man die schadhaften Stellen aus und legte eine Urkunde über die Eröffnung hinein.
Die Verehrung der seligen Mechthild im Wandel der Zeit
Die erste schriftliche Überlieferung über Mechthild findet sich bei den Akten des Kapitels Waldshut anlässlich der Kirchenvisitation von 1625. Dort heißt es: „Die selige Mechthild ist beigesetzt in der Krypta der Pfarrkirche. Nach einem Eintrag im Pfarrbuch ist ihr Anniversarium (Gedächtnistag) am 6. März, dem Feste des hl. Fridolin von Säckingen. Sie wohnte auf dem Friedhof (‚in coemeterio habitabat) …“ Ihr Leben sei bona et honesta gewesen, d. h. ‚gut und ehrenvoll‘.
Bei der Kirchenvisitation 1674 durch den Dekan des Kapitels Waldshut schreibt dieser im Protokoll: „Ibidem sepulta virgo nomine Mechthild, quae nomen sanctitatis habet et fiunt eo peregrinationes“, d. h. ... daselbst (in der Kirche zu Hochsal) ist beerdigt eine Jungfrau namens Mechthild, welche als Heilige verehrt wird, es finden Wallfahrten dorthin statt.
Am 19. November 1770 wird in einem Schreiben des Pfarrers Mathias Stark an den Fürstabt Gerbert von St. Blasien erwähnt, dass „… die heilige Mechthild eine gnädige Fürbitterin für alle die bei Rückenleiden zu ihr kommen …“ sei.
Darstellungen der seligen Mechthild sind weder in der Kirche noch im Pfarrarchiv zu finden. Eine aus Holz geschnitzte Statue der seligen Mechthild, die in öffentlichen Prozessionen von Mädchen in Hotzentracht mitgetragen wurde, befand sich noch im 17. Jahrhundert in der Hochsaler Pfarrkirche und wurde am 12. September 1676 als renoviert angegeben.
Nach einer Aussage von Pfarrer Johannes Fehr (Pfarrer in Hochsal von 1961 bis 2007) habe um 1970 der Brauch nachgelassen, nach der Taufe eines Kindes hinunter zur seligen Mechthild zu gehen und zu ihr zu beten. Im Oktober 1980 antwortet der Geistliche auf eine Umfrage zu den Wallfahrten in der Erzdiözese Freiburg: „Ihr Andenken ist nicht erloschen, jedoch nur noch in legendären Zügen erhalten, ihre Verehrung mehr sporadisch“. Der Hochsaler Kindergarten St. Mechthild und das Pfarrheim bewahren wenigstens im Namen ihr Andenken immer noch nach knapp 900 Jahren.
Legenden um die selige Mechthild
In der Hochsaler Überlieferung wird berichtet, Mechthild sei eine Jungfrau gewesen und habe im alten Kirchturm zu Hochsal ein heiligmäßiges Leben geführt. Nach ihrem seligen Hinscheiden habe sie gar wunderbar geholfen, besonders gebrechlichen und kranken Menschenkindern aus der Pfarrei und der näheren Umgebung.
In einer anderen Legende wird uns erzählt, dass sie die Alten und Kranken der Umgebung um Gotteslohn pflegte. Weil sie so viele Gott wohlgefällige Werke verrichtete, läuteten bei ihrer Heimkehr die Glocken im Kirchturm, ohne dass sie am Strange gezogen worden wären. So pflegte die selige Mechthild auch einmal in Dogern die Kranken und weil sie sehr müde war, nahm sie einen Rebstecken aus einem Weinberg, um sich auf dem Heimweg darauf zu stützen. Als sie nun in die Nähe von Hochsal kam, läuteten die Glocken nicht. Mechthild ahnte, warum. Sie ging den weiten Weg nach Dogern wieder zurück und setzte den Rebstecken an seinen alten Platz. Und als sie nach Hochsal zurückkam, da läuteten die Glocken wie sonst.
Aus einer weiteren Überlieferung erfahren wir, Mechthild habe mit zwei Schwestern im Mittelgeschoss des Turmes gelebt. Sie habe die Kirche in Hochsal und die im jetzigen Kanton Aargau gelegenen Gotteshäuser zu Leuggern und Mettau begabt (d. h. mit Gütern ausgestattet) und gegründet (aus Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Hochsal von Pfarrer Dr. Jakob Ebner, 1958).
