Kirche Heilig Geist Laufenburg mit Jubiläum 700 Jahre

 Jubiläum  700 Jahre Heilig Geist wird gefeiert
25.06.2024 |
Am Chorbogen vor dem Altarraum wurde eine Nachbildung des ursprünglichen Holzreliefs mit der Darstellung der Taube des Heiligen Geistes angebracht . Bilder: Peter Meister
VON PETER MEISTER Wenn die katholische Pfarrgemeinde das 700jährige Bestehen ihrer Pfarrkirche Heilig Geist feiert, ist das mit einem Rückblick auf eine wechselhafte Geschichte verbunden. In der vorderösterreichischen Stadt Laufenburg gab es nämlich zwei Pfarrkirchen: Linksrheinisch St. Johann der Täufer im Bistum Basel und rechtsrheinisch Heilig Geist, das erst zum Bistum Konstanz und seit badischer Zeit zum Erzbistum Freiburg gehört. Da in der Brückenvorstadt – heute Laufenburg (Baden) – bis zur Trennung Altlaufenburgs Anfang 1802 im Zuge des sogenannten Friedens von Luneville nie mehr als 300 Menschen leben, ist die 1324 bezeugte ecclesia sancti spiritus (Hl. Geist-Kirche) nur eine Kapelle und eine Filiale von St. Magnus in Murg, dokumentiert Stadtarchivar Martin Blümcke. 
 
1957/58 wird der hölzerne Altar herausgerissen. Genau zwanzig Jahre danach wird wieder ein neugotischer Flügelaltar eingebaut, erworben von der Gemeinde Lörrach-Stetten. Bild: Peter Meister
Im Jahr 1493 ist dann erstmals von einer Pfarrkirche und einer Gemeinde die Rede. Das Gotteshaus auf der Felsenhöhe ist eine Chorturmkirche mit einem einfachen Schiff, das später im Innern barockisiert wird. Wegen Baufälligkeit wird dieses Kirchlein abgerissen und 1883/84 die heutige Kirche samt Turm aus Buntsandstein in den Formen der Neugotik errichtet. Den damals genau 400 Katholiken ist allerdings die reich ausgestattete Kirche zu düster, nicht warm und hell genug. So wird 1957/58 der hölzerne Altar herausgerissen und zerstört, werden die Wände elfenbeinfarbig angemalt und die Glasfenster heller gefasst. Genau zwanzig Jahre danach wird wieder ein neugotischer Flügelaltar eingebaut, erworben von der Gemeinde Lörrach-Stetten. Hinter dem alten Orgelprosekt erklingt ein neues Werk. Andererseits werden die farbigen Chorfenster durch farblose Scheiben ersetzt. Erst unter Pfarrer Wolfgang Auer werden zur 800-Jahrfeier beider Laufenburg 2007 weitere Bausünden beseitigt – so etwa der fehlende Schalldeckel über der Kanzel – und wird die beruhigende Bemalung der Seitenwände aufgetragen.

Das neue Pfarrhaus in der Codmanstraße ist 1931 fertiggestellt. Nachdem Rhina im Frühjahr 1952 von Murg nach Laufenburg umgepfarrt wurde, kann schon im April 1955 die erste Messe in der neuerbauten Marienkirche mit ihrem Campanile-Turm gefeiert werden. 1984 rundet das Pfarrheim neben dem Pfarrhaus die
bauliche Ausstattung ab. Das Gemeindeleben ist erfüllt mit Jugendgruppen, Frauengemeinschaft, Kirchenchor, Seniorenkreis und Perukreis, um nur einiges zu nennen.
Angesichts der Zunahme katholischer Gläubiger hat man um 1980 unter Pfarrer Wolfgang Kirchgässner, der bald zum Weihbischof nach Freiburg berufen wurde, darüber beraten, das Kirchenschiff nach Westen zu erweitern. Das Denkmalamt und das Land Baden-Württemberg, dem die Kirche gehört, erlaubten dies nicht.
Zugleich beginnt der Priestermangel. Als der Luttinger Pfarrer Karl Schäfer 1980 gestorben ist, wird die Pfarrei St. Martin von Laufenburg aus betreut. Nachdem der Hochsaler Pfarrer Johannes Fehr von seinem Leiden erlöst ist, kommt 2007 die Pfarrei St. Pelagius ebenfalls zur Seelsorgeeinheit Laufenburg. 2015 wird die Seelsorgeeinheit Laufenburg-Albbruck mit sechs Pfarreien geschaffen, die Pfarrer Klaus Fietz bis zu seiner Zurruhesetzung im September 2023 leitet. Derzeit wird die Seelsorgeeinheit von Dekan Peter Berg bis zur Installation der Großpfarrei zum 1. Januar 2026 betreut.. Die Pfarrgemeinde Heilig Geist wird als pastorale Einheit bestehen bleiben. Für die seelsorgerische Betreuung gibt es genügend Baulichkeiten und vor allem weiterhin eine starke Gemeinschaft der Gläubigen. 
700 Jahre Heilig Geist – Die Kirche lebt von engagierten Christen
02.07.2024 |
 
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Am Sonntag,  30. Juni, fand in der Heilig Geist Kirche der festliche Jubiläumsgottesdienst 700 Jahre Kirche Heilig Geist statt. Untermalt von der Kirchenchorgemeinschaft Laufenburg-Hochsal und dem Kirchenchor Luttingen leitete Dekan Peter Berg den Gottesdienst. Seine Festpredigt mit dem Titel «Braucht es Kirche noch?» führte zu der Überlegung, dass die Kirche nicht von den Gebäuden aus Stein, sondern von den Personen, den persönlichen Berührungen und Begegnungen mit den Menschen lebt. 
 
Beim anschließenden Mittagessen im Pfarrheim Heilig Geist kam es zu zahlreichen solcher Begegnungen und erfüllte das Haus mit Leben. Viele Menschen genossen das knusprige Spanferkel und die feine Paella. Im Anschluss daran begrüsste der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Pirmin Böhler alle Gemeindeglieder und die Ehrengäste aus Politik und Kirche. Die Stadt- und Feuerwehrmusik Laufenburg umrahmte die verschiedenen Grussworte der Ehrengäste musikalisch. Bei Kaffee und Kuchen fand dieser wunderschöne Tag einen gemütlichen Abschluss. 
 
Ein herzliches Dankeschön gilt allen fleissigen Helferinnen und Helfern aus den verschiedenen Gemeindeteams und den fleissigen Frauen der ehemaligen Frauengemeinschaft. Ein grosses Dankeschön auch an die Ministranten, welche zahlreich als Helfer unterwegs waren. Ohne den grossen Einsatz von allen, wäre solch eine Feier nicht möglich. Ein herzliches Vergelts Gott geht natürlich an die Stadt- und Feuerwehrmusik für die musikalische Begleitung.
Einen grossen Dank zudem an das Malergeschäft Maier aus Niederhof, welches sich kurzfristig bereit erklärt hatte, das Vordach der Heilig Geist Kirche zu renovieren.
Beeindruckender Festvortrag von Franz Schwendemann
Begonnen hatten die Jubiläumsfeiern schon eine gute Woche zuvor. Am Freitag, 21.Juni. hielt Franz Schwendemann, ehemaliger Direktor des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee und schon langjährig mit der Kirchengemeinde verbunden, seinen Festvortrag mit dem Titel «700 Jahre Kirche und Pfarrgemeinde Heilig Geist».
Er führte darin die Zuhörer durch die Geschichte der Kirche aus dem späten Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Umrahmt wurde dieser Vortrag von den beiden Musikerinnen Lena Ebner und Clara Kütemeier. 
Interessante Bilderausstellung von Egon Gerteis
An diesem Abend wurde zeitgleich die Bilderausstellung zum Jubiläum, zusammengestellt von Egon Gerteis eröffnet. Viele der Anwesenden konnten sich auf dem ein oder anderen Bild wieder entdecken. Ein Herzliches Dankeschön an Franz Schwendemann für den Vortrag und Egon Gerteis für die Zusammenstellung der Bilderausstellung. Gleichzeitig ein Dankeschön an die beiden Musikerinnen, welche dem ganzen einen festlichen Rahmen gaben.
Schliesslich fanden in der Woche zwischen dem Festvortrag und dem grossen Jubiläumsgottesdienst an fünf Abenden in der Woche geistige Impulse in der Heilig Geist Kirche statt. Diese wurden von Mechthild Maier, Daniel Kaptein und Jörg Schutzenbach geleitet. Beginnend mit der Pieta von ca. 1480, wurden die Tage darauf weitere Gegenstände der Kirche, die Kanzel, das Taufbecken, die Orgel und zum Abschluss das Laufenburger Tabernakel genauer unter die Lupe genommen. Einerseits ging es hier um die Geschichte dieser Gegenstände, aber auf der anderen Seite vor allem auch um deren Bedeutung für die Kirche und den Glauben der Menschen. Ein Dankeschön gilt hier noch Patricia Ebner, welche uns am Donnerstag musikalisch auf der Orgel begleitete.
Wir vom Gemeindeteam Heilig Geist Laufenburg hoffen, dass diese Feierlichkeiten noch lange in guter Erinnerung bleiben, und wie es am Sonntag hiess – auf die nächsten 700 Jahre. Text:Jörg Schutzenbach

                                              

1324                    Erste urkundliche Erwähnung in den
                            Akten der Diözese Konstanz
                            als „Kirche des Heiligen Geistes“

1883 /84              Abriß der Vorgängerkirche und Neubau
                            des heutigen Gotteshauses;
                            Grundsteinlegung  23.7.1883,  
                            Benediktion   15.12.1884,
                            Konsekration   22.06.

1957/58
und 1976/79        Renovationen

2006/07               Gründliche Innenrenovation zur 800-Jahrfeier der
                            Stadt Laufenburg im Jahr  2007
                            (Baupflicht seit der Säkularisation beim Staat)


Äußeres

 - Nach Osten ausgerichteter neugotischer Kirchenbau in rotem Sandstein
   aus Heimbach bei Emmendingen
   (Architekt Heinrich Lang Waldshut) 

 - elegante Westrosette

 - Turm mit verspielter Haube und Laterne, Höhe 39 Meter 

 - vier Glocken (Schilling Heidelberg 1952);
   Christkönig f’, Heiliger Geist g’, Mariä Himmelfahrt a’, Heiliger Josef c’ 

 - Kirchendach provisorisch (1956) 

 - Kirchenvorplatz (Areal der Stadt Laufenburg)

 - ehemaliger Friedhof bis zur Einweihung des „Waldfriedhofs“ 1947;
   Mauern mit alten Grabmonumenten, freistehendes Kreuz
   aus Granit (1980)  mit Aufschrift: „Zum Gedenken an 
   die hier ruhenden Toten“


Inneres

Kirchenschiff            seltene Holzdecke (Schablonenmalerei) 

Chor                           eingezogen, 3/8-Schluß, 3 Fenster, Rippengewölbe 

Fenster                      Gesamtverglasung in Rauchglas (1957)
                                   Rosette mit bunten Scheiben –
                                   Rest der ursprünglichen Verglasung (1884)  

                                    

Flügelaltar                 Gebr. Metzger Überlingen (1900)
                                   seit 1978 hier aufgestellt, früher Pfarrkirche
                                   St. Fridolin  Lörrach-Stetten 

                                   Holzschnitzereien:      letztes Abendmahl,
                                                                       Hochzeit von Kana

                                   Malereien:                   (innen) Weihnachten:
                                                                       Schlüsselübergabe an Petrus
                                                                       (außen) Jesus im Ölgarten:
                                                                        Beweinung Christi 

                                   „Laufenburger Tabernakel“:  Nikolaus Epp
                                                                        Insel Reichenau (1958)

                                   Türen in Goldschmiedearbeit mit Edelsteinen,
                                   Email und Bergkristall:

                                   Fischernetz, Felsen, Rheinstrom mit Salmen,
                                   Christusmonogramm

                                   Bedeutung: Die Christen schwimmen wie 
                                                       Fische in der Liebe Christi 

                                   Sockel in rotem Sandstein – ehemalige
                                   Kommunionbank

Taufstein                   Gebr. Kless Zwiefalten (1884)
                                   Form eines neugotischen, achteckigen Kelches 























Seitenaltäre             
Gebr. Kless Zwiefalten (1884)
                                   Ergänzungen Wolfgang Karle,
                                   St. Ulrich bei Freiburg (2000) 

                                   Marienaltar:     Maria Rosenkönigin mit Jesuskind
                                                           Bernhard von Clairvaux, Aloisius

                                   Josefsaltar:     Josef, Elisabeth von Thüringen,
                                                           Fridolin 

Kanzel                       Gebr. Kless Zwiefalten (1884),
                                   Ergänzungen Wolfgang Karle (2001) 

Kreuzweg                 14 Tafelbilder der Nazarener-Schule (Südtirol 1890) 

Wandskulpturen       (Nordseite)      Pieta aus der Vorgängerkirche (1480)
                                   (Südseite)       Bruder Konrad von Altötting (20. Jh.),
                                                           Missionskreuz mit Maria und
                                                           Johannes (19. Jh.) 

Orgel                         Gehäuse und Teile des ursprünglichen Instruments
                                   Wilhelm Schwarz Überlingen (1884);
                                   heutiger Zustand: 26 Register, 2 Manuale,
                                   Fischer + Krämer Endingen a.K. (2008) 

                                   

 

Gestühl                     Anfertigung 1979
                                   Wangen aus der abgebrochenen evang. Stadtkirche
                                   in Waldshut (19. Jh.)