Erich Meyer, der Hüter der Kapelle Stadenhausen ist tot

23.05.2025 |

Als vor rund 40 Jahren im idyllischen Laufenburg Stadtteil Stadenhausen jemand für die ehrenamtliche Pflege der Marienkapelle gesucht wurde, sagten Erich Meyer und seine Frau Klärle spontan „Ja, wir machen das.“  Also pflegten, putzten und schmückten die Meyers das Kleinod im Ortsmittelpunkt. Mehr noch: Sie fühlten sich für das Schmuckstück verantwortlich. Jetzt ist Erich Meyer im Alter von 95 Jahren gestorben und folgte damit seinem geliebten Klärle, die 2018 in die Ewigkeit abberufen wurde.
Wir sind glücklich und zufrieden, dass wir das alles machen konnten, sagte Erich Meyer vor sechs bei der Verabschiedung beim traditionellen Gottesdienst im Freien an Christi Himmelfahrt. Nach 34 Jahren Engagement für die Kapelle war ihnen die Arbeit einfach zu viel geworden und sie mussten die Verantwortung in andere Hände geben.

Erich Meyer war ein Stadenhausener Urgestein, dort geboren, wo seine Eltern eine Landwirtschaft hatten. 1944 begann er eine Lehre bei der Stadt Laufenburg. Ab 1950 besuchte Erich Meyer berufsbegleitend die Verwaltungsschule, 1955 legte er das Staatsexamen als diplomierter Verwaltungswirt ab, um dann das Grund- und Standesamt zu übernehmen. In seiner Dienstzeit hat er nahezu tausend Ehen beurkundet, ehe er 1992 als Stadtamtsrat in den Ruhestand ging. 
Erich Meyer war ein Mensch, dem die Gemeinschaft wichtig war. Er gehörte zu den Männern der ersten Stunde, als nach dem Krieg der Laufenburger Männerchor wieder gegründet wurde. Schon in jungen Jahren trat Meyer auch der Feuerwehr bei, wo er so lange es ging an der Spitze der Feuerwehrsenioren stand und für regelmäßige Treffen sorgte.
1950 hatte er mit seinem aus Oberhof stammenden Klärle den Bund fürs Leben geschlossen, die zwei Kindern das Leben schenkte. Die Diamantene Hochzeit im Jahre 2020 war für die beiden gläubigen Christen ein ganz besonderer Tag.
Erich Meyer war geistig und auch körperlich agil bis ins hohe Alter, er konnte bis vor wenigen Wochen noch zu Hause leben. Gerne gab er anderen sein in mehr als neun Jahrzehnten angesammelten Lebenswissen weiter. So wirkte er noch jüngst an einem Projekt des Laufenburger Museums Schiff über den Zweiten Weltkrieg mit und schilderte das Leben der in der Landwirtschaft eingesetzten polnischen Zwangsarbeiter. Die von ihm selbst mitorganisierten Feierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen seines Heimatorts zu erleben, war Erich Meyer nicht mehr vergönnt.
Die Pfarrgemeinde verneigt sich voll Dankbarkeit vor Erich Meyer. Sie wird die treue Seele in bester Erinnerung behalten.
Text und Bilder: Peter Meister