St. Pelagius Hochsal, Lindenstraße 14

Hier begrüßt Sie das Glockengeläute von Hochsal 

Die Pfarrei Hochsal             

Das Damenstift von Säckingen besaß den Pfarrsatz von Hochsal (Patronatsrecht). Das Kirchspiel umfasste anfangs die Ortschaften Alb, Albert, Schachen, Hochsal, Rotzel, Oberwihl bis zur Wühre, Herrischried, Binzgen und Rhina. „Alle Orte drei bis vier Stunden waldeinwärts waren hierher eingepfarrt.“

Heute umfasst das Kirchspiel noch Binzgen, Hochsal, Rotzel und Schachen. In der Herrschaft Hauenstein war der Pfarrort Hochsal zugleich Hauptort der „Einung Hochsal“, welcher Schachen, Albert, Hauenstein, Luttingen, Grunholz, Stadenhausen und Rotzel zugehörten.

Rudolf von Habsburg fiel die sogenannte Grafschaft Hauenstein von der Laufenburger Linie der Habsburger zu; dieser, dem späteren Hause Österreich, gehörte sie an bis 1805, als Vorderösterreich an das Großherzogtum Baden fiel. Hochsal ist heute Teilort Laufenburgs, Schachen von Albbruck.

Pfarrkirche St. Pelagius und Oswald

Vom romanischen Bau vor 1100 steht sein romanischer Turm nicht mehr. Allein die Chorturm-Krypta als Grablege der seligen Mechthild von Hochsal und die acht Rundsäulen des Kirchenschiffes blieben von ihm erhalten. Doch verdeckt heute ein Überputz deren gebauchte Form wie auch die ursprünglichen Kelchkapitelle. Auch die Säulenbasen sind nunmehr im Boden versunken. An einer Säule auf der rechten Seite kann man einen Holzrahmen aufdecken.                   

Das gotische Kirchenschiff reichte bis an die Front der jetzigen Empore. Die heutigen Vierpassfenster im Obergaden sind unter Putz von größeren gotischen Fensterlaibungen umfasst. Kleine Reste von Sandstein-Laibungen stecken unter dem Außenputz der Kirchenfenster. Den besten Blick auf den vormals gotischen Kirchenraum gewinnt man aus dem Chor, etwa vom Sakramentshäuschen her. Seine mit einer Turmmonstranz gerahmte Wandnische flankieren die beiden Kirchenpatrone, der hl. Martyrer Pelagius sowie der hl. König Oswald von England. Im Zwickel über dem Gitter zeigt die Skulptur der hl. Veronika mit dem Schweißtuch das Bild des Erlösers auf dem Leidensweg, gestaltet nach einem Stich von Martin Schongauer. Die Nische wird beidseits flankiert vom österreichischen Bindenschild und dem Wappen des Ludwig Hornegk von Hornberg, damals Verweser der Landgrafschaft Baden-Hachberg. 

 

Der Hochaltar mit Sandsteinplatte und Unterbau ist gotischen Ursprungs. Vom gotischen Lettner zwischen Chor und Schiff verblieb außer Fundamentresten nichts mehr. Zugemauert ist auch das Ostfenster im Chor hinter dem Altarbild. Die spätgotische Steinretabel des Maria-End-Altars zeigt die Mutter Gottes auf ihrem Sterbebett, umgeben von den zwölf Aposteln, wie von einer Borte umrahmt durch den Stammbaum Jesse (Isai) mit je fünf Nachfahren des Vaters des Königs David. Die liegende Gestalt des Stammvaters ruht in einer Art Predella (Wurzel Jesse). Im Tympanon, wo sich diese Seitenrahmung zusammenfügt, wird die abgeschiedene Seele Mariens von ihrem Sohn Jesus aufgenommen (Ende 15. Jh.).   
Von der Rokoko-Ausgestaltung der Kirche kündet ein Chronogramm in der Kartusche am Chorbogen:   „MVNIFICENTIA CONFRATERNITATIS DONISQVE PLEBIS RESTAVRATA“ (größere Buchstaben = römische Jahreszahl 1772). „Durch die Freigiebigkeit der Bruderschaft und die Gaben des Volkes restauriert.“  Das war genau 200 Jahre nach der Einführung des Rosenkranzfestes ab 1572 zum Gedächtnis des Sieges der Christen über die Türken in der Seeschlacht bei Lepanto am 7.10.1571.

Eine Übermalung mit „1088“ wies auf das Erbauungsjahr der Kirche hin. Im barockisierten Raum wurde der Boden des Chores um 80 cm gesenkt, im Kirchenschiff um 40 cm erhöht, die Nischen der vorderen beiden Seitentüren geschlossen und der Kirchenraum über die Vorhalle hinaus verlängert. Die alte Portalschwelle fand sich unter der heutigen Emporenkante. Die Kirchenfenster erhielten barocke Rundbögen. Die des Obergadens erfuhren eine Verkleinerung zu Vierpassfenstern.

Von  den erneuerten Kirchenbänken tragen noch 16 barocke Wangen mit paarweise wechselndem Schnitzwerk. (Das Renaissance-Gestühl beim Eingang wurde erst im 19. Jh. eingebracht.) Vom Portal führt ein Vorzeichen vierstufig zum Kirchplatz hinab; es wurde 1988 erneuert.

Das Rokoko-Stuckwerk stammt aus der Hand des Vorarlberger Meisters Lucius Gambs, der sich in Laufenburg ansässig machte. Mit den Seitengemälden weisen nordseits die vier Evangelisten, ihnen gegenüber die vier großen abendländischen Kirchenväter – Augustinus, Gregor d. Gr., Hieronymus und Ambrosius - den Weg des Glaubens zum Altar. 

Die Deckengemälde zeigen im Chor Christus mit den zwölf Aposteln beim Letzten Abendmahl, im Schiff das Martyrium des hl. Pelagius – seit dem 9. Jh. Patron der Stadt Konstanz sowie des Bistums und des Münsters. Im großen Mittelbild erinnert Maria als „Königin des heiligen Rosenkranzes“ an den Sieg über die Türken bei Lepanto. Seit dem folgenden Jahr ließ Papst Pius V. dessen Tag begehen.

Unser barockes Kirchenbild hält das 200-jährige Jubiläum fest. Über dem Kirchenausgang die Darstellung des 2. Kirchenpatrons, des hl. Königs Oswald von Northumbrien / England. Als Flüchtling im Inselkloster Hy in Schottland fand er unter dem hl. Kolumban zum Glauben an Christus. Er führte die heidnischen Angelsachsen zum Christentum und fiel 642 beim Kampf auf dem Matherfelth. Als Bauernpatron angerufen von den Schnittern und für das Vieh, auch Schutzherr der Stadt und des Kantons Zug/ Schweiz. Der linke Seitenaltar wurde zum Rosenkranzaltar mit den Statuen des hl. Dominikus und der hl. Katharina von Siena zu beiden  Seiten der großartigen Skulptur der gotischen Maria-End-Darstellung (Mariae Himmelfahrt). Die barocken Figuren des hl. Josef und des hl. Johannes Nepomuk wurden von Pfarrer Fidel Schmid gestiftet.                      

Das Bild des rechten Seitenaltars zeigt den Mönchsvater Antonius aus der ägyptischen Wüste, hier besonders verehrt als Viehpatron. Über ihm erinnert die Darstellung des alemannischen Glaubensboten Fridolin von Säckingen mit dem toten Ursus, seinem Zeugen vor dem Gericht in Rankweil / Vorarlberg, an die frühere Verbindung mit dem adeligen Damenstift von Säckingen. Die alte Marienstatue vor dem Chorbogen trägt eine Krone in der Form der österreichischen Hauskrone.

Vom Anfang des 19. Jh. stammen die Kreuzwegstationen und das Hochaltarbild des Waldshuter Kirchenmalers Polikeit. 1915 fertigte die Werkstatt Mezger in Überlingen dazu das umfassende Säulenwerk  (zuvor nur „gemalene“) mit den beiden Statuen der Kirchenpatrone St. Pelagius und St. Oswald, ebenso das Tabernakel samt dem rahmenden Schnitzwerk mit den beiden Anbetungsengeln. Darunter weisen zwei Medallions hin auf das Wandlungswunder zu Kana und die Erscheinung des Auferstandenen vor den Jüngern in Emmaus. Den Altaraufsatz krönt ein Pelikan, der seine Jungen im Nest mit dem eigenen Blut nährt.

Vor der Kirche steht ein altes Missionskreuz, schon früher errichtet mit der Inschrift „O crux ave, spes unica, in cuius honore fieri curavit R. D. Frid Senn Par. 1694“ – „Sei gegrüßt, o heiliges Kreuz. Zu dessen Ehre ließ (dieses) errichten der Ehrwürdige Herr Frid(olin) Senn, Pfarrer, 1694.“

Der Chorturm, der „Alte Hotz“, ein markantes Wahrzeichen der Landschaft, gehört nicht zum ältesten Bestand der Kirche; ein romanischer Turm von kleinerem Ausmaß steht nicht mehr. Der gotische 38 m hohe Nachfolger wurde in zwei Etappen erbaut. Zuerst mit ihren schießschartenartigen Fenstern die beiden unteren Stockwerke, darüber dann mit den z. T. wieder vermauerten Maßwerkfenstern zwei Obergeschosse mit dem Glockenstuhl. Einer seiner Eichenbalken trägt eingeschnitzt die Jahreszahl 1539. Zum untersten Turmgeschoss stieg früher der Mesner jeden Tag auf einer überdachten Bohlentreppe – sie wurde 1965 entfernt – hinauf, um die Turmuhr aufzuziehen. 

Die St. Anna-Kapelle

Der Ölberg, eigentlich St. Anna-Kapelle, mit dem Ossarium und dem angebauten Beinhaus, heute Lourdes-Grotte, steht neben der Pfarrkirche, am Ort der vormaligen Behausung der seligen Mechthild. Dort lebte im 11. Jh. diese Stifterin der Kirche als Klausnerin. Jacobus de Lapide von Stein bei Säckingen, Kanoniker im Stift Säckingen und Pfarrrektor in Hochsal, errichtete 1336 die St. Anna-Kapelle und begabte sie mit seinen Gütern im Fricktalischen für eine Frühmesnerstelle mit der Verpflichtung, für die auf dem Friedhof Begrabenen das Messopfer darzubringen. Mitten in der Altarrelabel steht die hl. Anna Selbdritt mit Maria und ihrem Kind auf den Armen. Zur Linken der hl. Joachim, der Vater Mariens. Die Kette mit vierzehn Perlen in seiner Hand deutet auf den Stammbaum Christi hin (siehe Matthäus-Evangelium 1,2 – 16). Zur Rechten der hl. Josef mit Wanderstab; denn er hat Maria und dem Jesuskind Schutz und Geleit gegeben auf allen Wegen. Aus der Wurzel des Stammvaters Jesse sprosst der Stammbaum des Davidssohnes auf, des verheißenen Messias, des Sohnes Mariens.
Im Felsgemäuer der Ölberggruppe barg man früher die Totengebeine vom Friedhof. Am Sockel der Totenleuchte steht eingehauen 1491. Hinter einem steinernen Flechthag schlafen Petrus (mit Schwert), Jakobus und sein Bruder Johannes, der Lieblingsjünger des Herrn. Ihre Bücher für die Gebetszeiten bleiben alle fest geschlossen: „Nicht einmal eine Stunde konntet ihr mit mir wachen und beten!“ Währenddessen rang Jesus im Gebet: „Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine!“ Gegenüber reicht ihm ein Engel mit der priesterlichen Stola den Kelch des Leidens und der Stärkung. Das sich anschließende Beinhaus musste im vergangenen Jahrhundert aufgelassen werden. Seitdem birgt es eine Darstellung der Erscheinung der Unbefleckten Empfängnis in Lourdes. Die jetzigen Statuen schnitzte nach dem 2. Weltkrieg Bildhauer Eckert aus Laufenburg.                                                                                                                                              Pfarrer Johannes Fehr